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Protokoll zum Fachgespräch der elag am 12.06.2008



Franz-Josef Strauß,
Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau
Referat europäische Strukturpolitik für den ländlichen Raum

  • Bedeutung der Bildung von Erwachsenen, wie stellt sich das in den Förderprogrammen der EU für die Entwicklung im ländlichen Raum dar?
  • Wie sind die freien Träger, z.B. bei den Regionalkonferenzen oder runden Tischen beteiligt? (unser Interesse richtet sich speziell auf die Beteiligung der evangelischen Kirchen)
  • Wo liegen die Förderschwerpunkte in RLP?
  • Wie verteilen sich die Förderanteile zwischen Moderation und Umsetzung ?


LEADER ist eine seit 1991 bestehende Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union: Liaison Entre Actions de Developpement de l´Economie Rurale (Verbindungen zwischen Akti-onen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Schwerpunkt von LEADER ist die Umsetzung von Strategien für eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes unter besonderer Berücksichtigung der Zusammenarbeit zwischen ländlichen Gebieten und deren Vernetzung. Die Zielsetzungen von LEADER+ sind:

  • Unterstützung von beispielgebenden lokalen Entwicklungsinitiativen im ländlichen Raum
  • Unterstützung innovativer, mustergültiger und übertragbarer Maßnahmen, die neue Wege der ländlichen Entwicklung aufzeigen
  • Austausch von Erfahrungen, Qualifizierung und Weiterbildung
  • Unterstützung von Vorhaben zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen den lokalen Akteuren der ländlichen Gebiete

Im neuen rheinland-pfälzischen Entwicklungsprogramm "Agrarwirtschaft, Umweltmaßnahmen, Landentwicklung" (PAUL) sind in der Förderperiode 2007-2013 für den Leader-Ansatz knapp 20 Millionen Euro an EU-Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) vorgesehen. Jede Lokale Aktionsgruppe erhält in den nächsten sieben Jahren Fördermittel für die Umsetzung ihres lokalen integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes. Unabhängig davon können die Regionen auch an den übrigen Fördermaßnahmen partizipieren. (www.mwvlw.rlp.de)

Herr Strauß betreut überwiegend das Entwicklungsprogramm PAUL. Eine Beteiligung daran ist über die Runden Tische möglich. Faktisch sind allerdings in den 12 lokalen Aktionsgruppen die Kirchen nicht offiziell beteiligt. In seinem abschließenden Statement betont Herr Strauß Bildung als Schlüsselfaktor für die Entwicklung im ländlichen Raum.

In der Diskussion mit den Mitgliedern fordert Herr Strauß dazu auf, Projektanträge einzureichen. Innovative Ideen sind erwünscht, auch wenn die Richtlinien auf den ersten Blick enger gefasst scheinen. Frau Erzgräber schlägt eine Einladung von Herrn Strauß in den Landesbeirat für Weiterbildung vor, um eine bessere Information und Beteiligung der Weiterbildungsträger zu ermöglichen.


Gerlinde Eschemann
Vorsitzende des Kreisverbandes der Land-Frauen Altenkirchen

  • Die Landfrauenverbände haben auf die demografischen Entwicklungen reagiert und erproben Veränderungen sowohl in der Verbandsstruktur als auch in der Angebots- und Veranstaltungspalette. Was ist gut gelungen?
  • Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit von Trägern der Erwachsenenbildung, ländlicher, kirchlicher und kommunaler?


Angebote zur Vereinbarung von Familie und Beruf wurden verstärkt, z.B. Fortbildungen für Tagesmütter. Die interne Verbandsstruktur ist durch regelmäßige interne Gremien und Klausurtagungen sowie einer professionellen Geschäftsführung optimiert worden. Die Vertretung in externen Gremien wurden nach regionalen und politischen Gesichtspunkten ausgewählt. Kooperation ist ein wichtiges Prinzip. Eine zentrale politische Forderung des Landfrauenverbands ist die finanzielle und strukturelle Unterstützung von Haupt- und Ehrenamt.

Dr. agr. Maren Heincke
Evangelische Kirche Hessen und Nassau
Referentin für den Ländlichen Raum

  • Wie reagiert die verfasste Kirche auf die demographische Entwicklung?
  • Welche Potentiale stecken in der Evangelischen Erwachsenenbildung als Beitrag zur Entwicklung in den Dörfern?
  • Nennen Sie ein Beispiel aus ihrer Bildungsarbeit in Kirchengemeinden/Dekanaten


Die integrierte ländliche Entwicklung ist zur Zeit eines der wichtigsten Themen. Siehe dazu die bereits oben erwähnte Veröffentlichung der EKD. Vernetzung und Kooperation werden auf allen Ebenen auch innerkirchlich angestrebt. Evangelische Erwachsenenbildung sollte die Raumplanungsentwicklungen in die eigenen Strukturen übernehmen.

Ein wesentliches Merkmal ihrer Arbeit ist die Kooperation. Frau Dr. Heincke arbeitet mit verschiedenen kirchlichen und kommunalen Akteuren zusammen. Die Milieus, die sie erreicht, gehören überwiegend der Mittelschicht an und sind an handlungsbezogenen Themen interessiert, z.B. Vorratshaltung. Bei anderen Milieus steht der Erlebnischarakter im Vordergrund. Als ein Beispiel ihrer Bildungsarbeit beschreibt sie die Präsentation des Films "Arme Sau", den sie zum Thema Gentechnik zeigt. Zur Erwachsenenbildung im Kontext von Regionalentwicklung bedarf es, "das Wissen der Menschen in der Region anzuzapfen" bzw. die Potentiale der Menschen zu erkennen und zu nutzen. Die Sprache der Kirche passe dazu eher schlecht.


Winfried Frank,
Evangelische Kirche der Pfalz
Evangelische Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft, Vorstandsmitglied
Winfried Frank hebt in seinem Statement mehrere grundsätzliche Aspekte hervor:

  • Ein Kennzeichen evangelischer Erwachsenenbildung ist die flächendeckende Präsens. Das ist zugleich eine Anerkennungsvoraussetzung nach dem WBG §11.
  • Das Ehrenamt braucht die Unterstützung von hauptamtlichem Personal zur Professionalisierung und Begleitung: Hauptamtliche Strukturen dürfen nicht zerstört werden.
  • Die Einrichtung von Weiterbildungsbeiräten ist ein gutes Instrument der regionalen Kooperation und Vernetzung. Ihre Ausstattung ist aber mangelhaft.
  • Notwendig ist heute ein Bildungsbegriff, der auch Beratung einschließt. Das betrifft sowohl berufsbezogene Angebote, Angebote für bildungsferne Bevölkerungsgruppen als auch zunehmend Angebote zum lebensbegleitenden Lernen. Hier ist eine Öffnung des Gesetzgebers notwendig.


Zur Erwachsenenbildung im ländlichen Raum erläutert er Inhalte und Strukturen der Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft. Hier wird versucht, kulturelle Traditionen aufzugreifen. Beispiele sind Projekte zur Kompetenzstärkung, die allgemeine und politische Bildung verbinden, wie ein Projekt zum Bestattungswesen zur Förderung der Erinnerungskultur.

Hubert Stubenrauch, Leitender Ministerialrat im Ministerium des Inneren und für Sport musste seine Teilnahme leider kurzfristig absagen.

In der Diskussion mit den Mitgliedern stehen die Kooperationsmöglichkeiten und deren Finanzierung im Vordergrund, wie schon berichtet. Ein weiteres Thema ist die Arbeit der Weiterbildungsbeiräte. Der Weiterbildungsbeirat im Kreis Altenkirchen ist einer der aktivsten im Land. Die Arbeit wird ausschließlich ehrenamtlich geleistet und zwar dann, wie der Vorsitzende Christof Weber betont, wenn die Arbeit in der eigenen Einrichtung erledigt ist. Sein Ziel ist die Einrichtung einer hauptamtlichen Stelle, die die Kooperation koordiniert. Seine entsprechende Anfrage an das Land beantwortet Frau Erzgräber mit dem Verweis auf die Kommune, in deren Aufgabenbereich der WB-Beirat fällt. Das Recht auf die Einrichtung eines Beirats ist einklagbar – eine Finanzierung nicht.

Dr. Jochen Buchter moderiert die anschließende Runde mit den Vertretern der Landtagsfraktionen, Dr. Peter Enders, CDU, MdL und Werner Kuhn, FDP, MdL. Dr. Matthias Krell, SPD, MdL, hat seine Teilnahme ebenfalls kurzfristig wegen einer anderen Terminverpflichtung abgesagt.

Dr. Buchters zentrale Fragestellung lautete: "Wie kann gewährleistet werden, dass unter den Bedingungen des demografischen Wandels auch in Zukunft in ländlichen Regionen Angebote der Erwachsenenbildung vorgehalten werden können?" Als Beispiel erläutert er den in der EKHN und der Rheinischen Kirche z.Zt. diskutierten "Flächenfaktor": Danach sollen künftig die Bevölkerungszahl und die Flächengröße Maßstab für die finanzielle Zuwendung durch die Kirche sein, mit dem Ziel, ländliche Regionen zu stärken. Damit einher dürfte ein Verteilungskampf zwischen Verdichtungsräumen und strukturschwachen Gebieten gehen.

Werner Kuhn sieht ebenfalls einen landesweiten Verteilungskampf um knapper werdende Mittel voraus und betont, dass die wirtschaftliche Beurteilung nicht das einzige Kriterium für die staatliche Förderung sein dürfe. Er befürwortet eine Stärkung der hauptamtlichen Strukturen in der Erwachsenenbildung, um die Pluralität zu sichern, bis dahin, die Förderkriterien zu ändern, um ländliche Regionen mehr zu unterstützen.

Dr. Enders berichtet, dass nach dem Landesentwicklungsplan ländliche Räume mit Entwicklungspotential stärker gefördert werden sollen. Der Kreis Altenkirchen gehört nicht dazu. Auch aus diesem Grunde unterstützt er die Idee des Flächenfaktors. Erwachsenenbildung sei zwar keine Daseinsvorsorge erster Ordnung, aber ohne sie werde die Region verarmen. Sinnvoll sei es daher, über Kreisgrenzen hinweg zu kooperieren und so die Angebote zu optimieren. Er befürwortet als Reaktion auf die knapper werdenden Finanzen – auch innerhalb der Kirche - vor allem eine Unterstützung des Ehrenamtes.