Bildung ist ein Menschenrecht – daher haben das Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz und die Katholische Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz (Federführung) gemeinsam mit dem Landesverband der Volkshochschulen, der Evangelischen Erwachsenenbildung und der Landesarbeitsgemeinschaft „anderes lernen“ Rheinland-Pfalz im Februar 2014 Sprach- und Orientierungskurse für Menschen gestartet, die bislang aus rechtlichen Gründen keine Möglichkeit hatten, an solchen Kursen teilzunehmen.

WIR – Willkommen in Rheinland-Pfalz

Konkret können Personen mit Duldung, Personen mit Aufenthaltsgestattung sowie Personen mit einer Aufenthaltserlaubnis nach § 25 des Aufenthaltsgesetzes (Aufenthalt aus humanitären Gründen) in den Schulungen die deutsche Sprache lernen und  Basiswissen für den Alltag in der Bundesrepublik sammeln. 

Die Kurse richten sich an Menschen ab 16 Jahren werden in ganz Rheinland-Pfalz angeboten und sehr gut angenommen. Insgesamt 15 Kurse haben die Projektpartner bereits durchgeführt. Im Durchschnitt nehmen etwa 15 – hoch motivierte und engagierte – Frauen und Männer an den Schulungen teil. Die Mehrheit der Teilnehmenden stammt aus den Ländern Syrien, Irak, Iran, Pakistan, Afghanistan, Somalia, Ägypten, Serbien, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina beziehungsweise der Russischen Föderation. 

Finanziell unterstützt wird das Projekt durch den Europäischen Flüchtlingsfond, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie das Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz. Es läuft noch bis zum 31. Oktober 2014.

Informationen zum Konzept, den beteiligten Institutionen sowie eine Übersicht über die aktuellen Kursstandorte finden sich auf der Projekthomepage.

Mainz, 17.02.2014. 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können keine zusammenhängenden Texte lesen oder schreiben und gelten als "funktionale Analphabeten". Diese aufrüttelnden Zahlen wurden 2011 durch die leo.-Level-One Studie der Universität Hamburg ermittelt. Davon hat jeder Zweite die Schule in Deutschland besucht und mehr als die Hälfte ist berufstätig. Besonders betroffen sind Personen, die einfachen Hilfstätigkeiten nachgehen, geringe berufliche Aufstiegschancen haben und deren Arbeitsplätze als unsicher gelten. Viele Menschen schämen sich und verbergen oft sogar vor der Familie, Freunden und am Arbeitsplatz ihre Schwierigkeiten. Nur ein Bruchteil der Betroffenen wird aktuell durch die Grundbildungsangebote der Erwachsenenbildung erreicht.

Da auch in Rheinland-Pfalz zu viele Menschen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben im Alltag haben, setzt an dieser Stelle das im Januar gestartete Projekt "GrubiNetz - Kompetenznetzwerk Grundbildung und Alphabetisierung Rheinland-Pfalz" an: es will nun vor allem deutlich mehr Menschen mit Grundbildungsbedarf erreichen und sie in ganz Rheinland-Pfalz an Lernangebote, Alphabetisierungs- und Grundbildungskurse heranführen.

"Vernetzung und Kooperationen sind im Alphabetisierungs- und Grundbildungsbereich von zentraler Bedeutung. Unsere Anstrengungen zielen darauf hin, eine Flächendeckung mit Kursangeboten in ganz Rheinland-Pfalz zu erreichen", so Gabriele Schneidewind, Geschäftsführerin des Projektträgers Arbeit und Leben gGmbH.

Dazu sieht das vom Europäischen Sozialfonds und dem rheinland-pfälzischen Bildungs- und Arbeitsministerium geförderte Projekt ein Kompetenznetzwerk vor, das von den fünf Weiterbildungsträgern (siehe unten) initiiert wird. Sie stellen je eine Netzwerkkoordinatorin in den Regionen Westerwald-Taunus/Mittelrhein, Trier/Eifel, Rheinhessen-Nahe und Pfalz, damit sie mögliche Partner identifizieren und für das Netzwerk gewinnen. Dazu knüpfen sie Kontakte zu den regionalen Akteuren, die mit den Zielgruppen in Kontakt kommen, beispielsweise Beschäftigte in Beratungsstellen, Jobcentern, Schulen, Weiterbildungseinrichtungen oder in der Verwaltung. Diese Akteure wiederum werden für die Thematik sensibilisiert und dabei unterstützt, wie sie die Betroffenen ansprechen und sie an Lernangebote heranführen können.

Durch die Vernetzung der Betroffenen untereinander und mit verschiedenen Akteuren sollen effizientere und nachhaltige Unterstützungsstrukturen geschaffen werden, um damit die Chancen zur Teilhabe funktionaler Analphabeten am sozialen und ökonomischen Leben zu erhöhen.

Um das Thema zu enttabuisieren und die Gesellschaft darüber zu informieren, werden die Projektpartner aus dem Verband der Volkshochschulen von Rheinland-Pfalz, der Evangelischen Erwachsenenbildung, der LAG anderes lernen und der Katholischen Erwachsenenbildung unter anderem Öffentlichkeitsaktionen durchführen. "Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema, da es schwierig ist, die Betroffenen direkt zu erreichen", so Susanne Syren, Netzwerkkoordinatorin für die Region Rheinhessen-Nahe von der ELAG.

Kontakt:

Gabriele Schneidewind, Geschäftsführerin
Arbeit und Leben gGmbH
Hintere Bleiche 36, 55116 Mainz
Tel.: 06131 - 1408614