2009

Mitgliederversammlung der elag am 17./18.06.2009

 

Heike Wilsdorf verwies in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen Bildungsbegriffe vor und nach der Aufklärung. Der ältere Bildungsbegriff geht auf das "Imago Die" Meister Eckarts zurück, während Immanuel Kant erst den Aspekt der Selbstreflexion zum zentralen Bestandteil von Bildung einführte. Sie machte deutlich, dass es aus ihrer Sicht nicht darum ginge, den Begriff der Mission den missionarischen Anbietern zu überlassen. Vielmehr müsse die  EEB die theologische "Figur" der "missio dei" stark machen, die ganz auf die unverfügbare Kraft Gottes verweist, wenn es um die Frage der Bekehrung gehe. Reflexivität und Gott-Offenheit stehen sich nicht im Wege.

In der von der Geschäftsführerin Karola Büchel vorgestellten Statistik sind Glaubenskurse als spezielles Format, die unter den Titeln "Christ werden – Christ bleiben, Stufen des Lebens, Alpha-Kurs oder Grundkurs des Glaubens" o.ä. angeboten werden, nur mit 0,7 % vertreten, da sie in der Regel nicht abgerechnet werden können. Im Sachgebiet Theologie, Religion finden sich ein Drittel aller Veranstaltungen und auch ein Drittel aller Teilnehmenden. Es ist der stärkste thematische Bereich der elf Sachgebiete. Auch haben viele Veranstaltungen religiöse Bezüge, aber einen anderen Focus. Religiöse Bildung spiegelt sich in der Veranstaltungsstatistik der als ein thematisch vielfältiges und anspruchsvolles Spektrum mit einem ausgeprägten Lebensweltbezug wider.

Die Entscheidung, das Fachgespräch in diesem Jahr dem Thema "religiöse Erwachsenenbildung" zu widmen, hatte auch einen konkreten Hintergrund: die Missionarische Bildungsinitiative "Erwachsen glauben" der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD).
Ausgehend vom Impulspapier der EKD "Kirche der Freiheit" hat die AMD im Jahr 2008 ein Projekt gestartet, das die Entwicklung eines Konzeptes zur Verankerung "missionarischer Bildungsangebote als Kernaufgabe der Gemeinde" zum Ziel hat. Das Projekt wird von der EKD ideell und finanziell gefördert. Bis Mitte 2010 soll eine Toolbox für alle Pfarrämter erstellt sein und 2011 die Durchführung der Angebote in Pilotgemeinden beginnen.

Wilhelm Niedernolte, Pastor und Leiter der Landeseinrichtung der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen und ebenfalls Vorstandsvorsitzender der DEAE zeichnete in seinem Redebeitrag die Entwicklung der Initiative bis zur Einrichtung einer Steuerungsgruppe im Januar 2009 nach. Bedeutsam für die evangelische Erwachsenenbildung ist dabei vor allem, dass die DEAE als ihre Interessensvertretung auf Bundesebene nicht eingebunden worden ist.

Das Angebot der DEAE, an der Erarbeitung des Bildungskonzepts für die Gemeinden verantwortlich beteiligt zu werden, wurde von der EKD nicht aufgenommen. Stattdessen hat die AMD Wilhelm Niedernolte und Dr. Hans Jürgen Luibl, Leiter der Ev. Stadtakademie Erlangen, zur Mitarbeit in der Steuerungsgruppe eingeladen, nicht mit einem Mandat der DEAE, sondern als Personen mit ihren jeweiligen Kompetenzen.

Wilhelm Niedernolte bewertete die Zusammenarbeit in der Steuerungsgruppe trotz der kirchenpolitischen Entscheidung positiv und plädierte für Kooperationen innerhalb der Landeskirchen. Das eröffne der EEB die Möglichkeit, "die eigenen Schätze zu präsentieren", auch wenn die AMD dadurch von der Professionalität der EEB profitiere. Er befürwortete die Mitarbeit bei der Umsetzung des Konzepts in Gemeinden, wo es möglich sei, betonte aber, dabei "bei der Sache der Erwachsenenbildung zu bleiben", d.h klar zwischen Angeboten der EEB und missionarischen Angeboten zu unterscheiden.

Die anwesenden Mitglieder und Gäste diskutierten die Beiträge differenziert, waren sich aber in ihrem Fazit einig: Religiöse Bildung beinhaltet sowohl Angebote der Evangelischen Erwachsenenbildung als auch missionarische Angebote. Es liegt nicht im Interesse der EEB, missionarische Bildungsangebote in den Kirchengemeinden abzulehnen. Vielmehr gilt es, klare Kriterien festzulegen und deutliche Trennlinien zu ziehen. In den jeweiligen Landeskirchen sollten kooperative Formen der Zusammenarbeit zwischen der EEB und den missionarischen Diensten gesucht werden.

In der anschließenden Podiumsrunde wurde der Blick auf den aktuellen Diskussionsstand in den Landeskirchen gerichtet. In der Rheinischen Landeskirche befindet sich eine Steuerungsgruppe im Gründungsprozess. Dabei haben die missionarischen Dienste die Federführung. Kirsten Arnswald ist als theologische Leiterin des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Rheinland-Süd zur ersten Sitzung eingeladen. Parallel dazu hat die Landessynode Hinweise zur Bildungsarbeit herausgegeben, die sich an der Veröffentlichung der EKD "Maße des Menschlichen" orientieren. Mission wird in diesen Hinweisen nicht erwähnt. Auch von den Kirchengemeinden gibt es keine Anfragen an das Werk zu missionarischen Angeboten.

In der Evangelischen Landeskirche der Pfalz hat die Missionssynode 2007 konkrete Initiativen aufgezeigt: Der AMD ist aufgefordert, Bibelwochen, die Hauskreisarbeit und Glaubenskurse in den Kirchengemeinden zu fördern. Dieser Anspruch gilt darüber hinaus allen gesamtkirchlichen Diensten. Daneben hat sich die Synode auch für Angebote zur Bewusstseinsbildung und Orientierung ausgesprochen.

In der EKHN ist die missionarische Initiative an das Zentrum für Verkündigung angebunden. Es wurde ein Runder Tisch einberufen, an dem kirchenleitende Vertreter und auch Heike Wilsdorf teilnehmen. Zur Zeit wird eine Empfehlung erarbeitet.

Grundsätzlich stellten alle drei Leiterinnen der landeskirchlichen Einrichtungen für Erwachsenenbildung in Frage, ob mit der Initiative tatsächlich die Zielgruppe erreicht werde, die angestrebt wird: Kirchenferne. Es sieht vielmehr so aus, dass es in der Regel die Kerngemeindeglieder sind, die an Glaubenskursen teilnehmen. In der EKHN sind es u.a. auch die Erzieherinnen der evangelischen Kindertagesstätten. Die EEB hat hier den Auftrag, für diese  Zielgruppe Angebote zu entwickeln, um deren Auskunftsfähigkeit zum Glauben zu schulen.

Die abschließende "Gretchenfrage", ob die landeskirchlichen Erwachsenenbildungseinrichtungen die Toolbox der missionarischen Initiative mit in ihr Angebot übernehmen würde, bleibt offen. Deutlich macht es noch einmal Wilhelm Niedernolte: "Wo Erwachsenenbildung drin ist, muss auch Erwachsenenbildung drauf stehen!" Mit anderen Worten: Wenn das Knowhow der EEB zur Entwicklung der Toolbox genutzt wird und Veranstaltungen der EEB einbezogen werden, muss die EEB auch als Anbieter deutlich hervorgehoben werden.

Karola Büchel