Die Erwachsenenbildung im allgemeinen und die kirchliche im besonderen befindet sich im Dilemma. Das war schon immer so, ist aber heute auf eine dramatische Weise zugespitzt. Sie steht vor der Frage, ob sie es mit der Anpassung an die Forderungen, die gesellschaftlich an sie gestellt werden, halten will oder ob sie im Widerstand dagegen ihre zwingende Aufgabe sieht. Tatsächlich befinden wir uns in einer Situation der beispiellosen Ökonomisierung des Bildungswesens. Dessen Indienststellung für ökonomische Belange wird mit nie gekannter Schamlosigkeit gefordert. Und zwar nicht nur von denen, die ungeniert davon sprechen, das Bildungswesen, also Schulen, Hochschulen, Erwachsenenbildungeseinrichtungen, sogar Kindergärten und Krippen hätten ihnen verwertbare ‚Produkte’, will sagen: präzise zugerichtete, arbeitsmarkttaugliche Menschen, zur Verfügung zu stellen, womit ganz nebenbei die Bildung als Produktionsvorgang begriffen wird, die Lernenden als ein zu bearbeitender Rohstoff und die Lehrenden als Human Engeneers fungieren. Die früheren Stadien der Lerngeschichte bis hinein ins pränatale Stadium werden unter dieser Forderung als Propädeutikum für künftige Verwertbarkeit angesehen. Jedoch auch die in den lebenslangen Lernknast Geschickten fordern devot und gläubig, dass man sie ausbilde. Und das ist schließlich das einzige, was sie sich von der Bildung erhoffen. Denn davon versprechen sie sich eine Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt, also ihre Existenzsicherung: Die Existenz kann man, so wie die Dinge heute liegen, mit Anstand und ohne ins gesellschaftliche Abseits gedrängt zu werden, ja nur durch bezahlte Arbeit zuwege bringen. Eine Erwachsenenbildung, die diesem Treiben gegenüber eine kritische Position behaupten wollte, gleichzeitig aber so organisiert ist, dass die Teilnahme an ihr - glücklicherweise noch - freiwillig ist, steht also in der Gefahr, dass es nach ihren Segnungen keinen Bedarf gibt, weder bei denen, die Macht über die Geldhähne haben, noch bei denen, für die die EB mit ihrer Kritik parteilich sein will. Angesichts dieser misslichen Lage, ist das Bekenntnis zur zweckfreien Bildung (Punkt 6 des Wartburg-Papiers) nicht sehr realistisch.

Fachgespräch zur Werteorientierung in der Evangelischen Erwachsenenbildung mit OKR Rainer Schäfer und Prof. Dr. Marianne Gronemeyer

Am 20./21 Juni 2007 tagte die Mitgliederversammlung der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz () in der Bildungsstätte Ebernburg, Bad Münster am Stein. Der erste Tag war, wie schon Tradition, dem fachlichen Austausch gewidmet.

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Mit dem Thema „Werteorientierung in der Evangelischen Erwachsenenbildung“ griff die ELAG eine Diskussion auf, die gesellschaftlich wieder zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wertebildung und Werteerziehung werden im Elternhaus, in Kindergarten und Schule verstärkt angemahnt. Vor allem den Kirchen wird dabei eine Rolle als potentieller „Wertelieferant“ zugesprochen.